Weihnachten innen
Vorwarnung: Zu berichten habe ich nur von einer "Neuigkeit": Ich fühl mich wohl und angekommen... Der Rest ist eine Art Essay über Weihnachten, Internet, Sein und Gemütlichkeit. Viel Spaß;)
Hallo ihr vielen!
Ja, bald ist Weihnachten. Das ist ja nix besonderes und Lebkuchen kann man auch schon seit Oktober kaufen. Geschenke.... die sind ja letztlich auch nur zum ankurbeln der Wirtschaft und aus Pflichtgefühl. Manchmal auch um das schlechte Gewissen zu lindern, manchmal auch um jemanden wirklich glücklich zu machen, auch wenn es immer so sein sollte. Aber darüber hinaus hat Weihnachten ja auch eigentlich noch einen Wert für sich. Gut, selbst der Satz "die Zeit der Liebe" ist ökonomisch ausgebeutet worden. Aber ich meine eher die Gemütlichkeit, das ruhige Sein, das Kerzenlicht und die Düfte. Natürlich hat das auch was mit dem Winter zu tun. Denn wie ist Weihnachten wohl in Australien? Tim....?
Aber heute hatte ich das erste Mal eine Weihnachtsstimmung und plötzlich war ich glücklich. Das mag kitschig klingen, ist aber so. Als wär ich endlich hier angekommen. Mit hier mein ich Dänemark generell, aber vor allem mein Zimmer im Studentenwohnheim. Ich war einfach dort ohne mich an den Computer zu setzen und im Weltweitennetz das Bekannte zu suchen. Internet ist so... so global (logisch). Aber es ist eben von überall aus gleich (naja, außer vielleicht China). Internet verhindert das innere Ankommen. Gleichzeitig überbrückt es natürlich auch den Aufbruch, das Weggehen, den Abschied... Aber obwohl ich vom globalen Dorf und der Möglichkeitswerweiterung der Telekommunikationstechnik so stark profitiere ist mir heute wirklich aufgefallen, wie sehr es mich auch bindet. Wenn ich immer nur im Internet bin - warum bin ich dann in Aalborg? Internet finde ich überall... Gut, jetzt habe ich die Internet-freie Zeit nicht zum Stadt-Besuch genutzt, sondern zum Lesen. Und auch das geht fast überall. Das Buch war außerdem auch auf deutsch. Aber um zu lesen, habe ich es mir gemütlich gemacht und mein Zimmer zu einem lebenswerten Raum gemacht. Einem Raum der Ankunft. Ich habe heute Aalborg dazu genutzt, alleine zu sein. Allein zu sein.
Das Sein ist wichtig. Deshalb genieße ich es auch so bei meiner Oma. Dort geht es nicht um Fortschritt, sondern um Wiederholung, Ruhe, Ausgeglichenheit. Wenn ich diese Wörter benutze, dann hat das sicherlich Ähnlichkeit zum Gegensatzpaar Kapitalismus-Buddhismus. Kapitalismus ist das westliche Steigerungsspiel, die Veränderung, die Sensationsgier, das Erleben, das Internet. Buddhismus kommt in seiner Schwerpunktsetzung auf Ruhe und Wiederholung eher dem Haus meiner Oma gleich. Gemütlichkeit... dieses Wort beschreibt es sehr gut. Obwohl Gemütlichkeit auch was von "lauwarm", bürgerlich und konservativ hat (in meinem Sprachgebrauch meist negativ konnotiert). Gemütlichkeit ist so einfach und vielleicht auch feige und bequem. Aber sie kann ebenfalls der passendste Ausdruck einer zufriedenen und warmen Ruhe sein. Sie ist der relativ zeitlose Gegenpol zum beständigen Wandel und der Schnelllebigkeit. Klingt gut, nech... ;) Jedenfalls hab ich das heute so verspürt.
Warum ich das alles erzähl, weiß ich nicht so recht, aber es erscheint mir wichtig oder wesentlich. Nicht im Sinne einer Bekehrung oder einem esoterischen Aufruf zur Praktizierung der Liebe auf der Welt - nein, eher im Sinne einer geeigneten Weihnachtsmail, die ernst gemeint und einigermaßen passend ist.
Und falls das hier allzu besinnlich, gefühlsduselig oder philosophisch war, dann verflucht mich einfach und freut euch auf den nächsten Neuigkeits-Update-Beitrag.... Ich wünsch euch eine "besinnliche" Weihnachtszeit:)
euer Bror
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